Mondwasser reicht nicht für Elon Musks Millionenstadt: Studie stellt langfristige Pläne infrage
Eine neue Studie stellt Elon Musks ambitionierte Pläne für eine Millionenstadt auf dem Mond infrage: Nicht die Energie, sondern vor allem das knappe Wasser wird zum limitierenden Faktor. Selbst bei effizientem Recycling kann man eine solche Anzahl an Menschen nur rund ein Jahrhundert lang versorgen.

Elon Musk plant, den Mond dauerhaft zu besiedeln und eine Mondstadt zu errichten – doch das Vorhaben könnte sich angesichts der unzureichenden Ressourcen zerschlagen. Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Wasservorkommen für eine derart große Stadt langfristig nicht ausreichen.
Nach den Berechnungen würde eine Siedlung mit mehr als einer Million Einwohnern das angenommene Wasserdepot ohne Wiederverwendung bereits nach 2,4 Jahren aufbrauchen. Selbst ein Recyclinggrad von 98 Prozent, wie er auf der Internationalen Raumstation (ISS) erreicht wird, löst das Problem nur vorübergehend.
Eine Millionenstadt könnte damit ungefähr 100 Jahre auskommen. Bei 100.000 Bewohnern wären es etwa 1000 Jahre. Für eine Siedlung von rund 1000 Menschen sehen die Autoren wesentlich bessere Perspektiven.
Wie viel Eis vorhanden ist
Unsicher ist vor allem, wie groß die verfügbaren Wasserreserven sind. Experten schätzen, dass der Mond insgesamt rund 34 Millionen Tonnen Wasser enthält. Für ihre Studie legten die Autoren vorerst jedoch eine Milliarde Tonnen zugrunde.

„Ein Monddorf oder eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern wird für Tausende von Jahren nicht ohne Wasser sein“, sagte Mitautor Martin Elvis gegenüber Forbes. Zugleich bezeichnete er die angenommene Milliarde Tonnen als „großzügig“. Die tatsächliche Menge könne nämlich 20- bis 30-mal geringer sein.
Bei einer Rückgewinnungsrate von lediglich 30 Prozent würde eine Stadt dieser Größe nach Elvis’ Einschätzung nur etwa 100 Jahre durchhalten. „Offensichtlich sind umfangreiche Erkundungen nötig, bevor mit dem Bau einer Mondstadt begonnen wird“, fügte er hinzu. NASA plant mehrere Missionen in dauerhaft beschattete Krater, eine verlässliche Bestandsaufnahme werde jedoch mehr Aufwand erfordern.
Wertvolle Vorkommen an den Polen
Fast das gesamte bekannte Mondwasser konzentriert sich auf die Polarregionen. Dort befinden sich dauerhaft beschattete Gebiete in Kratern, die seit Milliarden Jahren kein direktes Sonnenlicht erhalten. In diesen Kältefallen kann Wassereis über lange Zeiträume erhalten bleiben.
Gleichzeitig bieten die Kraterränder gute Bedingungen für Solarenergie. Wegen der geringen Neigung der Mondachse steht die Sonne nahe den Polen tief über dem Horizont. Exponierte Höhenzüge werden besonders lange beleuchtet. Photovoltaikanlagen könnten dort Energie gewinnen und sogar vor Ort aus dem vorhandenen Silizium hergestellt werden.
Die Studie bewertet Strom daher nicht als entscheidende Grenze für die Bevölkerungszahl. Für mehrere Millionen Menschen wäre zwar Kernspaltungsenergie erforderlich, doch selbst diese stellt nach Einschätzung der Autoren nur eine geringe Einschränkung dar. Wasser bleibt dagegen die wichtigste Ressource.
Für Musk ist das relevant: Der SpaceX-Chef kündigte im Februar an, innerhalb von fünf bis sieben Jahren eine „selbstwachsende Stadt“ auf dem Mond priorisieren zu wollen. Im Juli sprach er von „Zehntausenden“ Menschen in einer vollständig selbstversorgenden Metropole. Auch Jeff Bezos verfolgt Pläne, Schwerindustrie und Rechenzentren ins All zu verlagern.
Die Forschenden sehen dennoch Möglichkeiten: Effizienteres Recycling, wassersparende Methoden wie vertikale Landwirtschaft, zusätzliche Erkundungen und eventuell Wasserimporte von Asteroiden könnten die Bilanz verbessern. Sie warnen jedoch, dass ohne deutlich bessere Kreislaufsysteme oder erheblich größere Wasserreserven eine langfristige Millionenbesiedlung des Mondes nach heutigem Kenntnisstand nicht tragfähig ist.
Artikelreferenz
Elvis, M., & McDowell, J. C. (2026). No cities on the Moon: a billion tons of water is not enough for sustainability. Frontiers in Space Technologies.