Wenn Hitze und Umweltverschmutzung zusammenkommen, können sie unerwartete Risiken für die Psyche mit sich bringen

Eine in den Vereinigten Staaten durchgeführte Studie ergab, dass sehr heiße Tage in Verbindung mit hoher Luftverschmutzung das kurzfristige Suizidrisiko erheblich erhöhen können.

Die Studie ergab einen starken Synergieeffekt zwischen Hitze und Stickstoffdioxid, insbesondere in der warmen Jahreszeit.
Die Studie ergab einen starken Synergieeffekt zwischen Hitze und Stickstoffdioxid, insbesondere in der warmen Jahreszeit.

Die Selbstmordraten in den Vereinigten Staaten zeigen seit Ende der 1990er Jahre einen Aufwärtstrend, was die Wissenschaft dazu veranlasst hat, die Faktoren, die das Risiko in der Bevölkerung erhöhen könnten, eingehender zu untersuchen. Zu den von Fachleuten identifizierten Faktoren, die Anlass zu größter Sorge geben, zählen Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung und extreme Temperaturen.

Eine neue Studie liefert Belege dafür, dass die Kombination dieser beiden Faktoren besonders gefährlich sein kann. Der Untersuchung zufolge können hohe Luftverschmutzungswerte in den wärmsten Monaten des Jahres die Auswirkungen extremer Hitze verstärken und das Suizidrisiko erheblich erhöhen.

„Die zwei Wochen vor einem Suizid sind eine entscheidende Phase für Interventionen“, erklärte Amanda Bakian, außerordentliche Forschungsprofessorin für Psychiatrie an der University of Utah Health und Forscherin am Huntsman Mental Health Institute. „Wir versuchen zu verstehen, was in diesem sehr kurzen Zeitraum geschieht. Viele Umweltfaktoren wurden bereits mit einem kurzfristigen Risiko in Verbindung gebracht, doch es gibt bislang kaum Untersuchungen dazu, wie diese Faktoren miteinander interagieren.“

Analyse von Tausenden von Fällen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt

Um zu diesen Schlussfolgerungen zu gelangen, analysierten die Forscher mehr als 7.500 Selbstmordfälle im Bundesstaat Utah zwischen 2000 und 2016. Anschließend verglichen sie diese Daten mit Umweltdaten aus den Gebieten, in denen die Betroffenen lebten.

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Insbesondere untersuchten sie drei Variablen: Hitzestress, das Vorhandensein von Stickstoffdioxid und die Konzentration von Feinstaub in der Luft.

Im Gegensatz zu anderen Studien, die sich ausschließlich auf die Lufttemperatur konzentrierten, verwendete das Team einen umfassenderen Maßstab für die tatsächlich vom menschlichen Körper empfundene Hitze, die sogenannte Feuchtkugel-Globustemperatur. Dieser Indikator berücksichtigt Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Bewölkung und liefert somit eine genauere Einschätzung der Hitzebelastung.

Die Selbstmordraten in den Vereinigten Staaten zeigen seit Ende der 1990er Jahre einen Aufwärtstrend.
Die Selbstmordraten in den Vereinigten Staaten zeigen seit Ende der 1990er Jahre einen Aufwärtstrend.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine stärkere Hitzeeinwirkung mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden ist. Mit jedem Anstieg um 9 Grad Fahrenheit bei dieser Messung der Hitzebelastung stieg die Wahrscheinlichkeit eines Suizids um etwa 5 Prozent.

Dieser Effekt war besonders ausgeprägt während der wärmsten Zeit des Jahres, von Ende März bis Ende September.

Die Rolle der Luftverschmutzung

Die Analyse ergab zudem ein interessantes Muster in Bezug auf Stickstoffdioxid, einen Schadstoff, der hauptsächlich mit Fahrzeugemissionen und der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Verbindung gebracht wird.

„Wir haben einen starken Synergieeffekt zwischen Hitze und Stickstoffdioxid festgestellt, insbesondere in der warmen Jahreszeit“, erklärte Dirga Lamichhane, Postdoktorandin an der University of Utah Health und Hauptautorin der Studie. „Die Auswirkungen von Hitzestress sind bei hohen NO₂-Werten deutlich stärker.“

Einfach ausgedrückt: In den wärmeren Monaten ist Stickstoffdioxid an sich nicht mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. Wenn es jedoch mit sehr hohen Temperaturen zusammenfällt, kann es die Auswirkungen der Hitze erheblich verstärken.

Tatsächlich war unter Bedingungen einer hohen NO₂-Belastung jeder Anstieg der Feuchtkugel-Globustemperatur um 9 Grad Fahrenheit mit einem Anstieg des Suizidrisikos um fast 50 Prozent verbunden.

Im Gegensatz dazu wurden in den kälteren Monaten, in denen die Luftverschmutzung in Utah oft höher ist, erhöhte Stickstoffdioxidwerte mit einem höheren Suizidrisiko in Verbindung gebracht, unabhängig von der Temperatur.

Ein komplexes Phänomen, das weiterer Forschung bedarf

Die Forscher betonen, dass diese Ergebnisse statistische Zusammenhänge aufzeigen, jedoch keinen direkten Kausalzusammenhang zwischen Hitze, Umweltverschmutzung und Selbstmord belegen.

Sie warnen zudem davor, dass der Klimawandel diese Muster in Zukunft verändern könnte. Die analysierten Daten reichen nur bis zum Jahr 2016, und seitdem sind neue Umweltfaktoren hinzugekommen, die die Situation beeinflussen könnten.

Quellenhinweis:

D. Lamichhane et al. Independent and interactive effects of wet bulb globe temperature and air pollution exposures on suicide mortality. Environment International, Volume 209, 2026, 110152, ISSN 0160-4120, https://doi.org/10.1016/j.envint.2026.110152.