Auf dem Weg zu einer riesigen Satellitenkonstellation: SpaceX könnte eine Million Satelliten in die Umlaufbahn bringen

Vor zwei Monaten wurde ein historischer Meilenstein erreicht: SpaceX hat die Marke von 10.000 aktiven Starlink-Satelliten in der Erdumlaufbahn überschritten, was etwa zwei Dritteln aller betriebsbereiten Satelliten im Weltraum entspricht. Wie sich herausstellt, ist das erst der Anfang.

„Starship“, die für den Betrieb des KI-Rechenzentrums vorgeschlagene Trägerrakete.
„Starship“, die für den Betrieb des KI-Rechenzentrums vorgeschlagene Trägerrakete.

Die geplante Megakonstellation würde praktisch zu einem solarbetriebenen KI-Rechenzentrum werden, wofür stündliche Raketenstarts erforderlich wären, mit denen jährlich eine Million Tonnen Satelliten in die Umlaufbahn gebracht werden könnten.

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Kritiker wiesen darauf hin, dass die neuen Satelliten irgendwann zahlreicher sein könnten als die am Nachthimmel sichtbaren Sterne und dessen Erscheinungsbild dadurch dramatisch verändern würden. Sie warnten zudem davor, dass eine Überlastung der Erdumlaufbahn diese an den Rand des „Kessler-Syndroms“ bringen könnte – einer gefährlichen Kettenreaktion von Satellitenkollisionen.

„Das industrielle Ausmaß dieses Vorhabens ist erstaunlich“, sagte Jonathan McDowell, ein Satellitenexperte, der kürzlich aus dem Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in den Ruhestand getreten ist, gegenüber Sky & Telescope und fügte hinzu, dass es sich bei dem Vorschlag sogar um eine Werbestrategie handeln könnte.

Die Probleme mit Megakonstellationen

Zwar konzentriert sich ein Großteil der Kritik auf die Lichtverschmutzung am Nachthimmel und die Sicherheit im Weltraum, doch gibt es ein noch größeres Problem: die Auswirkungen auf die Erdatmosphäre.

Satelliten wirken sich zweimal auf die Atmosphäre aus: beim Start (durch die Abgase der Rakete) und erneut beim Wiedereintritt (durch Trümmerteile, die beim Verglühen freigesetzt werden).

Die Forscher beginnen gerade erst zu verstehen, was in großem Maßstab geschieht. Das „Problem des Rußes“ ist ein gutes Beispiel dafür. Nahezu alle Raketen setzen Ruß – die Rückstände, die entstehen, wenn kohlenstoffhaltige Brennstoffe nicht vollständig verbrennen – in der oberen Atmosphäre ab. Er ähnelt dem Ruß, der sich im Inneren eines Schornsteins ansammelt.

Ruß hat komplexe Auswirkungen. Indem er Sonnenlicht absorbiert, erwärmt er die Atmosphäre. Indem er Sonnenlicht abhält, kühlt er sie ab. Daher sind sich Wissenschaftler zwar sicher, dass Ruß das thermische Gleichgewicht der Atmosphäre verändern wird, wissen jedoch noch nicht, in welche Richtung der Nettoeffekt gehen wird (Maloney et al. 2022; Barker et al. 2026).

Mikroskopische Aufnahme von Ruß. Quelle: Brookhaven National Laboratory.
Mikroskopische Aufnahme von Ruß. Quelle: Brookhaven National Laboratory.

Ebenso besorgniserregend sind Wiedereintritte. Bedenken Sie Folgendes: Seit Millionen von Jahren tragen natürliche Meteoroiden jährlich zwischen 10.000 und 20.000 Tonnen Material zur Erdatmosphäre bei.

Die menschlichen Aktivitäten sind auf dem besten Weg, diese Menge zu erreichen. Spätestens bis 2040 könnten zerfallende Satelliten so viel Material in die Atmosphäre freisetzen wie Meteoroiden jährlich (Maloney et al. 2025; Sharma 2024). Im Gegensatz zu Meteoroiden bestehen Satelliten jedoch aus industriellen Legierungen. Eine Million Jahre Meteoriteneinschläge sagen wenig über die Folgen von Millionen von Satellitenwiedereintritten aus.

Die NOAA hat bereits erste Anzeichen für Veränderungen festgestellt. Etwa 10 % der Schwefelsäuretröpfchen in der Stratosphäre enthalten Metalle, die aus zerfallenden Raumfahrzeugen stammen (Murphy et al., 2023). Die in diesen Tröpfchen gefundenen Aluminiumoxide geben Anlass zu besonderer Sorge, da sie zum Ozonabbau beitragen und damit den Schutzschild der Erde gegen schädliche UV-Strahlung schwächen.

Seit dem Start des Starlink-Programms im Jahr 2019 hat die Zahl der Studien, die versuchen, die Auswirkungen von Megakonstellationen vorherzusagen, stark zugenommen. Das Problem ist, dass fast alle diese Prognosen von Konstellationen in der Größenordnung von Starlink ausgehen – also von Zehntausenden von Satelliten. Ein Netzwerk aus einer Million Satelliten stellt eine ganz andere Herausforderung dar.

Dann kann es losgehen. Aber könnten wir vorher noch ein bisschen mehr recherchieren?

Quellenhinweis:

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