Das neue „El Dorado“ liegt im Weltraum: Trojaner-Asteroiden und der Wettlauf um Ressourcen
Trojaner-Asteroiden entwickeln sich zu neuen Zielgebieten für den Weltraumbergbau: Sie sind reich an Wasser und wertvollen Rohstoffen, verbinden Bahnstabilität mit strategischem Wert und eröffnen damit konkrete Perspektiven für eine künftige nachhaltige außerirdische Wirtschaft.

Die stetig steigende Nachfrage nach Rohstoffen lenkt den Blick auf die Möglichkeit, Ressourcen im Weltraum zu nutzen. Weltraumagenturen und vor allem private Unternehmen prüfen ernsthaft die Gewinnung von Rohstoffen aus Asteroiden.
Das ist keine Science-Fiction mehr, sondern eine reale Möglichkeit. Unter den in Frage kommenden Abbaugebieten sind die Trojaner-Asteroiden am vielversprechendsten; sie gelten derzeit als das potenzielle „neue El Dorado“ des Weltraums.
Trojanische Asteroiden: Primitive Minen, die im Weltraum schweben
Trojaner sind Himmelskörper, die einem Planeten auf dessen Umlaufbahn mit einem Winkelabstand von etwa 60 Grad folgen oder vorauslaufen. Sie befinden sich in Positionen des gravitationellen Gleichgewichts, die als Lagrange-Punkte bezeichnet werden. Am zahlreichsten sind die Jupiter-Trojaner, doch es gibt auch Trojaner, die mit dem Mars und der Erde in Verbindung stehen.
Diese Himmelskörper sind wahre Fossilien des Sonnensystems: Gesteinsformationen, die in dessen Entstehungsphase entstanden sind und seitdem praktisch unverändert geblieben sind. Da sie daher nur minimalen Veränderungen unterlagen, bewahren sie extrem uraltes Material, was sie nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Weltraumressourcenindustrie von unschätzbarem Wert macht.

Spektroskopische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Trojaner eine sehr geringe Albedo aufweisen, was bedeutet, dass es sich um dunkle, kohlenstoffreiche Körper handelt. Abgesehen von ihrem Gehalt an mineralischen Rohstoffen sind die Trojaner jedoch auch dank ihrer besonders stabilen Umlaufbahnen sehr gut erreichbar.
Insbesondere die Mars-Trojaner lassen sich im Rahmen von Weltraummissionen erreichen, die im Vergleich zu anderen Asteroidenzielen mit relativ geringem Energieaufwand verbunden sind.
Wasser und Metalle: Ressourcen, die mehr wert sind als Gold
Müsste man die wichtigsten Ressourcen, die in trojanischen Asteroiden vorkommen, in eine Rangliste bringen, würde Wasser zweifellos den ersten Platz einnehmen. Es ist nicht nur für die Erhaltung des Lebens unverzichtbar, sondern kann durch die Trennung von Wasserstoff und Sauerstoff auch in Raketentreibstoff umgewandelt werden. Es handelt sich daher um eine strategische Ressource, weniger für die Nutzung auf der Erde, sondern vielmehr zur Unterstützung einer künftigen Weltrauminfrastruktur.
So ist es beispielsweise möglich, dass sich die mit Jupiter verbundenen Trojaner jenseits der sogenannten „Schneegrenze“ gebildet haben; folglich könnten sie erhebliche Mengen an Eis enthalten, das möglicherweise unter ihrer Oberfläche verborgen ist.
Der vielversprechendste Kandidat hinsichtlich seines hohen Eisgehalts ist das Doppelsystem Patroclus-Menoetius: ein Paar Asteroiden, die sich gegenseitig umkreisen und eine sehr geringe Dichte aufweisen, was die Hypothese einer eisreichen Zusammensetzung untermauert.
Es ist jedoch nicht nur Wasser, das Aufmerksamkeit und wirtschaftliches Interesse auf sich zieht, sondern auch Edelmetalle. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass Asteroiden im Allgemeinen Metalle der Platingruppe enthalten: Elemente, die aufgrund ihrer Seltenheit auf der Erde äußerst wertvoll und für die Technologiebranche unverzichtbar sind.

Genauer gesagt gibt es jedoch keine Meteoritenproben, die eindeutig diesen Körpern zugeordnet werden können – also Meteoriten, die auf die Erde gefallen sind und aus der Population der Trojaner stammen –, anhand derer Wissenschaftler deren chemische Zusammensetzung untersuchen könnten. Ihr Reichtum an Edelmetallen bleibt vorerst lediglich eine Vermutung; die einzige Gewissheit und damit der wahre „Reichtum“ der Trojaner ist nach wie vor das Wasser.
Die Herausforderungen des Weltraumbergbaus
Die technologischen, wirtschaftlichen und logistischen Herausforderungen, die mit der Einrichtung realistischer In-situ-Abbauanlagen verbunden sind, sind wahrlich gewaltig.
Aus wissenschaftlicher Sicht sind die direkten Erkenntnisse nach wie vor begrenzt. Es gibt jedoch bereits eine Weltraummission – die 2021 gestartete Lucy-Mission der NASA –, deren Ziel die systematische Erforschung mehrerer Trojaner aus nächster Nähe ist, um deren Zusammensetzung, Struktur und Oberflächeneigenschaften zu untersuchen. Die in den kommenden Jahren erwarteten Daten werden entscheidend dafür sein, festzustellen, inwieweit diese Himmelskörper tatsächlich nutzbar sind.
Unter den Bedingungen der Mikrogravitation, die sich grundlegend von denen auf der Erdoberfläche unterscheiden, erfordert die Bergbautechnik völlig andere Lösungen: den Einsatz autonomer Maschinen und Verankerungssysteme sowie an extreme Umgebungen angepasste Veredelungsprozesse.
Auch die Kosten für den Transport der Mineralien zurück zur Erde wären beträchtlich. Die realistischste Lösung scheint die Nutzung vor Ort zu sein, d. h. die direkte Verwendung der Ressourcen im Weltraum zur Betankung von Raumstationen, Marsmissionen oder künftiger Infrastruktur.
Der neue Weltraum El Dorado besteht nicht aus Goldbarren, die man mit nach Hause nehmen kann, und wird dies auch niemals tun. Vielmehr handelt es sich um ein Netzwerk von Ressourcen im Weltraum, in dem Wasser, Eis und Urstoffe die Grundlage einer außerirdischen Wirtschaft bilden.