Britische Wissenschaftler warnen: Ein unsichtbarer Regen aus „ewigen Chemikalien“ geht über den gesamten Planeten nieder
Die Kältemittel und Gase, die zum Schutz der Ozonschicht eingeführt wurden, haben still und leise eine persistente, „ewige“ Chemikalie namens TFA erzeugt, die mittlerweile überall auftaucht – vom Regenwasser bis zum arktischen Eis.

Als die FCKW im Rahmen des Montrealer Protokolls aus dem Verkehr gezogen wurden, weil sie die Ozonschicht zerstörten, wurden die Chemikalien, die an ihre Stelle traten, als Erfolgsgeschichte gefeiert. Die sogenannten H-FCKW und HFKW fanden weltweit in Kühlschränken, Klimaanlagen und industriellen Prozessen Verwendung, und die Ozonschicht begann sich zu erholen. Es war eine gelungene Leistung – so schien es zumindest.
Eine aktuelle Studie unter der Leitung der Lancaster University hat ergeben, dass diese Ersatzchemikalien für die Umwelt vielleicht doch nicht so vorteilhaft waren. Die leitenden Wissenschaftler der Studie stellten fest, dass sie damit ein ganz eigenes Problem geschaffen haben.
Wo die Chemikalie landet
Die Forscher haben herausgefunden, dass HCFCs und HFCs beim Abbau in der Atmosphäre Trifluoressigsäure (TFA) bilden, die zur Familie der synthetischen PFAS-Chemikalien gehört. Diese werden oft als „ewige Chemikalien“ bezeichnet, da sie nur schwer abgebaut werden und extrem lange in der Umwelt verbleiben.
Die Forscher schätzen, dass durch FCKW-Ersatzstoffe und bestimmte Anästhesiegase zwischen 2000 und 2022 rund 335.500 Tonnen TFA auf der Erdoberfläche abgelagert wurden.

Das Team nutzte chemische Transportmodelle, um nachzuverfolgen, wie sich diese Gase durch die Atmosphäre bewegen, mit anderen Verbindungen reagieren und schließlich durch Niederschlag oder direkte Ablagerung wieder auf die Erde gelangen. Anschließend verglichen sie ihre Ergebnisse mit realen Daten, darunter Regenwassermessungen und arktische Eisbohrkerne.
Besonders bemerkenswert waren die Ergebnisse aus der Arktis. Die Modellrechnungen zeigten, dass praktisch alle in abgelegenen arktischen Eismassen nachgewiesenen TFA aus CFC-Ersatzstoffen stammten, obwohl die Region Tausende von Meilen von allen Orten entfernt ist, an denen diese Gase tatsächlich verwendet werden.
„CFC-Ersatzstoffe haben eine lange Lebensdauer und können in der Atmosphäre von ihrem Emissionsort in entlegene Regionen wie die Arktis transportiert werden, wo sie unter Bildung von TFA abgebaut werden können“, sagte die Hauptautorin der Studie, Lucy Hart, Doktorandin an der Universität Lancaster.
„Unsere Ergebnisse liefern den ersten schlüssigen Beweis dafür, dass praktisch alle diese Ablagerungen durch diese Gase erklärt werden können.“
Ein Problem, das sich immer weiter verschlimmert
In den letzten Jahren wurde TFA auch im menschlichen Blut und Urin nachgewiesen, und das Bundesamt für Chemikalien hat kürzlich vorgeschlagen, die Substanz als potenziell fortpflanzungsgefährdend einzustufen. Die Europäische Chemikalienagentur stuft sie bereits als schädlich für Wasserlebewesen ein, und einige Behörden geben an, dass die aktuellen Konzentrationen unter den schädlichen Schwellenwerten liegen. Es besteht jedoch die Sorge, dass sich TFA kontinuierlich anreichert und sich, sobald es einmal in die Umwelt gelangt ist, kaum noch entfernen lässt.
Da einige der Ersatzchemikalien jahrzehntelang in der Atmosphäre verbleiben, hat die TFA-Produktion aus diesen Quellen ihren Höhepunkt noch nicht erreicht – die Forscher schätzen, dass dies irgendwann zwischen 2025 und 2100 geschehen könnte. Hinzu kommt eine neuere Quelle, die die Gesamtmenge erhöht. HFO-1234yf, ein Kältemittel, das als klimafreundliche Alternative vermarktet wird und mittlerweile weit verbreitet in Fahrzeugklimaanlagen zum Einsatz kommt, setzt bei seiner Zersetzung bekanntermaßen ebenfalls TFA frei.
„HFOs sind die neueste Klasse synthetischer Kältemittel, die als klimafreundliche Alternativen zu HFCs vermarktet werden“, sagte Professor Ryan Hossaini, Mitautor der Studie.
„Es ist bekannt, dass eine Reihe von HFOs TFA bilden, und der zunehmende Einsatz dieser Chemikalien in Fahrzeugklimaanlagen in Europa und anderswo sorgt für Unsicherheit hinsichtlich der künftigen TFA-Konzentrationen in unserer Umwelt.“
Quellenhinweis:
An invisible forever chemical rain is falling across the planet, published by Lancaster University, June 2026.