WHO-Kommission will die Klimakrise zum globalen Gesundheitsnotstand erklären

Die Klimakrise sollte von der Weltgesundheitsorganisation WHO so schnell es geht zu einem globalen Gesundheitsnotstand erkl��rt werden. Sollte dies nicht erfolgen, würden Millionen von Menschen Folgen für Leib und Leben drohen.

Die WHO ist die oberste Behörde für die Gesundheit der Weltbevölkerung

Diese Forderung wurde nach einem Bericht des britischen GUARDIAN sowie der Nachrichtmagazin DER SPIEGEL von der unabhängigen paneuropäischen Kommission für Klima und Gesundheit (PECCH) gestellt, die von der WHO im Jahr 2025 gegründet wurde.

Das elfköpfige Gremium dieser Kommission kam zu dem Schluss, dass die Klimakrise eine so weltweite Bedrohung für die Gesundheit darstellt, dass die WHO sie als „Public Health Emergency of International Concern“ (Pheic), also zum „Öffentlichen Gesundheitsnotstand von internationalem Belang“ erklären sollte.

Mutiple Auswirkungen

Die internationale Ausbreitung von vektorübertragenen Krankheiten wie Dengue und Chikungunya sowie die gesundheitlichen Auswirkungen extremer Wetterereignisse, globaler Erwärmung, Krisen bei der Nahrungsversorgung und Luftverschmutzung machen einen „Pheic“ notwendig.

Dies Schlussfolgerung erscheint in einem "Call-to-Action"-Bericht der Kommission, der den europäischen Gesundheitsministern zu Beginn der Weltgesundheitsversammlung der WHO vorgestellt wurde.

„Pheics“ sind die höchste Gesundheitsalarmstufe der WHO. Frühere „Pheics“ umfassten Infektionskrankheiten wie COVID und Mpox. Aus der Erklärung geht hervor, dass man damit den Klimawandel selbst nicht umkehren würde, es aber zu einer koordinierten internationalen Reaktion kommen könne. Nach Ansicht der Kommission verlangt das Ausmaß der Klimakrise eine derartige Reaktion auf die Gesundheitsfolgen.

Der Kommission gehören ehemalige Gesundheits- und Klimaminister an, darunter auch der ehemalige deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach.

Grundaussage des Berichts

Die PECCH äußerte sich zu dem Bericht mit folgender Einleitung:

Der Klimawandel ist weit davon entfernt, eine schwindende Priorität zu erhalten oder als falsche Theorie eingestuft zu werden. Er stellt eine unmittelbare und langfristige Bedrohung für Gesundheit, Wirtschaft, Nahrung, Wasser, Umwelt, persönliche, gemeinschaftliche und nationale Sicherheit dar.

In einem Interview mit dem Guardian sagte Katrín Jakobsdóttir, ehemalige isländische Ministerpräsidentin, die die Kommission leitet:

Die Klimakrise mag keine Pandemie sein, aber sie ist dennoch ein Gesundheitsnotstand, der die Gesundheit und das Überleben der Menschheit bedroht >…<

Sir Andrew Haines, Professor für Umweltveränderung und öffentliche Gesundheit an der London School of Hygiene & Tropical Medicine und Chefwissenschaftler der Kommission, sagte dem Guardian:

Die WHO hat bereits anerkannt, dass der Klimawandel eine große Bedrohung für die globale Gesundheit darstellt. Was wir verlangen, ist ein Schritt weiter.

Er fügte hinzu, dass das aktuelle Tempo der Treibhausgasemissionen die Gesundheitsrisiken für aktuelle und zukünftige Generationen beschleunigen würden. Die Folgen für eine zunehmende Anzahl von Menschen wären die gesundheitlichen Folgen von übermäßiger Hitze, Überschwemmungen und Infektionskrankheiten. Hinzu käme Luftverschmutzung durch Waldbrände, die Zunahme von Frühgeburten und eine größere Unsicherheit bei der Ernährungsversorgung.

Ende von Subventionen für fossile Brennstoffe

Die Kommission forderte in dem Bericht außerdem die Regierungen der Welt auf, die Subventionierung fossiler Brennstoffe einzustellen. Diese seien allein in Europa direkt für 600.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich.

Europa gibt laut dem Bericht jährlich etwa 444 Milliarden Euro an Subventionen für die Öl- und Gasindustrie aus. In 12 europäischen Ländern überstiegen nach dem Bericht die Subventionen für fossile Brennstoffe im Jahr 2023 10 Prozent der nationalen Gesundheitsausgaben. In vier Ländern lagen sie höher als das gesamte Gesundheitsbudget.

All dies sei keine nachhaltige Energiepolitik, sondern eher ein Versagen der öffentlichen Gesundheitssysteme, ergänzte Jakobsdóttir im Guardian.

Und es ist eines, das noch viel schlimmer werden könnte. Neue Subventionen für fossile Brennstoffe sowie für Länder, die nach der Iran-Krise neue Öl-und Gasfelder in Erwägung ziehen, wären katastrophal für die Gesundheit der Menschen.

Weitere Forderungen

Der Bericht forderte außerdem Maßnahmen zur Bekämpfung von Desinformation, verstärkten Einsatz nationaler Klima- und Gesundheitsfolgenabschätzungen sowie die Bestätigung, dass der Klimawandel ebenfalls als psychische Gesundheitskrise einzustufen sei.

Jakobsdóttir sagte im Guardian:

Der Weg, Klimaskepsis und Fehlinformationen herauszufordern, ist einfach: Machen Sie es persönlich. Der Klimawandel wird in Zukunft nicht irgendwo anders oder bei jemand anderem geschehen.

Er verkürze derzeit das Leben in europäischen Städten und füllt Krankenhäuser. Er verursache Angst, Stress und andere psychische Probleme. Und die politischen Maßnahmen, die das alles beheben würden, wie saubere Luft, aktives und nachhaltiges Reisen, gut isolierte Häuser, und gesunde und nachhaltige Lebensmittel – seien genau die Maßnahmen, die Menschen heute gesünder und glücklicher machen.

Wenn das Gesundheits- und das Klimaargument identisch sind, wird es sehr schwer, dagegen zu stehen.
Das Gesundheitswesen ist ein essenzieller Bestandteil der sozialen Absicherung
Das Gesundheitswesen ist ein essenzieller Bestandteil der sozialen Absicherung

Mehr Resilienz der Gesundheitssysteme

Der Bericht empfahl außerdem, dass die Gesundheitssysteme der Länder widerstandsfähiger gegenüber der sich schnell verändernden Klimafolgen werden müssten.

Haines dazu im Guardian

Jedes Land muss sich bewusst sein, wo seine Gesundheitseinrichtungen liegen, wie wahrscheinlich es ist, überflutet zu werden, und wie es mit einer extremen und langanhaltenden Hitzewelle umgehen würde

Als Reaktion auf die Empfehlungen sagte Dr. Hans Kluge, der regionale Direktor der WHO für Europa dem Guardian:

Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten haben deutlich gezeigt, was die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wirklich bedeutet – nicht nur höhere Rechnungen, sondern auch belastete Gesundheitssysteme, eine gestörte Lebensmittel- und Brennstoffversorgung sowie Gesellschaften unter Druck.

Johan Rockström, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimaverträglichkeitsforschung, begrüßte den Bericht. Er sagte:

Der derzeitige Zustand des Planeten, in dem wir mehrere planetare Grenzen überschreiten, was sich als Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit äußert, die Millionen von Menschen weltweit betreffen, liefert zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass der Klimawandel zu einem öffentlicher Gesundheitsnotstand von internationalem Interesse erklärt werden sollte.

Die 79. Generalversammlung der WHO findet vom 18. Mai bis 23. Mai in Genf statt. Am 19. Mai fand im Rahmen des Programms eine Sitzung mit der pan-europäischen Kommission statt, in der auch der im Guardian vorgestellte Bericht thematisiert wird.

Quellenhinweise

Die PECCH-Kommission und ihre Aufgaben

Die 79. Weltgesundheitskonferenz der WHO

Call to Action Paper der PECCH-Kommission